Mehrwerthof

Ressourcen

Die im folgenden Punkt erläuterten Ressourcen verstehen sich sowohl als materielle als auch immaterielle Faktoren. Der Begriff “Ressourcen” beschreibt Mittel mit bestimmten Eigenschaften, die als Voraussetzung zur Umsetzung eines zielorientierten Ablaufes dienen. Es werden ökonomische (finanzielle, humane, organisatorische, physische und technologische Ressourcen) sowie soziologische (Netzwerk- und Kapitaltheorie) Aspekte von Ressourcen mit einbezogen.

Ökonomische Ressourcen

Die ökonomischen Ressourcen unterscheiden sich in: (1) Produktionsressourcen; wie Geld, Boden und Rohstoffe und (2) Humanressourcen; wie Wissen, Fähigkeiten und Motivation der beteiligten Menschen.

Produktionsressourcen

Der Duden definiert Ressourcen im ökonomischen Sinn als “natürlich vorhandener Bestand von etwas, was für einen bestimmten Zweck, besonders zur […] wirtschaftlichen Produktion, [.] benötigt wird”, sowie als “Bestand an Geldmitteln, Geldquelle, auf die jemand zurückgreifen kann” (Duden 2018a). Im Falle des Mehrwerthofprojektes sind mehrere Produktionsressourcen relevant. Da ein sozial-integrativer Mehrwerthof besondere räumliche Faktoren benötigt, entstehen spezifische bauliche Herausforderungen. Die Komponente der räumlichen Faktoren spielt für den Baustein “Struktur” (hier nicht näher ausgearbeitet) eine entscheidende Rolle. Damit der Mehrwerthof sich als Zentrum in der Gemeinde etabliert, benötigt selbiger eine angemessene Menge an Fläche. Diese braucht eine möglichst zentrale Lage innerhalb der Gemeinde, um die Bevölkerung entsprechend in das Projekt zu integrieren und keine Mobilitätshürden zu schaffen. Eine Neuerrichtung oder ggf. ein Umbau zu den passenden Räumlichkeiten setzt die Ressource Geld voraus. Die Gemeinde muss entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung stellen bzw. in den Haushaltsplan aufnehmen, um einen (Um-)Bau mit Bastelwerkstatt, Bauwerkstatt, Lager und Verkaufsraum, im Sinne des neuen Mehrwerthofes, gewährleisten zu können.

Im Falle des Mehrwerthofes Markt Schwaben sind alle Produktionsressourcen im ausreichenden Maß vorhanden. Der Neubau des Mehrwerthofes liegt zentral in der Gemeinde verankert und ist nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Der alte Bereich des Wertstoffhofes kann im Sinne der zusätzlich benötigten Räumlichkeiten umgestaltet werden. Für den Neu- und Umbau zum Mehrwerthof verfügt die Gemeinde über ausreichende finanzielle Mittel (ca. 5 Millionen Euro im Fall von Markt Schwaben, nach Angabe des Planungsbüros).

Humanressourcen

Im Duden wird der Begriff der Humanressourcen als “alle […] zur Verfügung stehenden menschlichen Leistungspotenziale” definiert (Duden 2018b). Menschliche Leistungspotenziale im Sinne des Mehrwerthofes lassen sich unterteilen in: (1) die Arbeit der treibenden Institutionen; der Gemeinde und deren Partner (Bauunternehmen, Sozialpartnerschaften etc.). (2) Die Potenziale der Bevölkerung; ehrenamtlich engagierte BürgerInnen. (3) Die Arbeitskraft der Zielgruppenbeschäftigten; im Falle von Markt Schwaben, über das Anderwerk. In den treibenden Institutionen ist von Bedeutung, wie viel Arbeitskraft welcher Netzwerkpartner als Ressource für das Projekt bereitgestellt wird. Im Speziellen ist ausschlaggebend, welche Positionierung die beauftragten MitarbeiterInnen zum Projekt des Mehrwerthofes einnehmen, welche Motivation sie mitbringen, wie viel Arbeitskapazität sie in das Projekt investieren, wie ihr persönliches Interesse gelagert ist, über welches Wissen sie verfügen und inwieweit ein Bereitschaft zum nachhaltigen, vernetzten Arbeiten gegeben ist. Die besten Ergebnisse können erzielt werden, wenn in den unterschiedlichen, in das Projekt involvierten, Institutionen Mitarbeiter mit entsprechenden Wissen und Qualifikationen kollaborieren. Grundvoraussetzung ist eine ausreichende Menge an Geldquellen, die durch qualifizierte Projektmitarbeiter erschlossen, also gekannt und beantragt, werden.

Diese institutionelle Herangehensweise führt aber alleinig nicht zum Erfolg des Mehrwerthofprojektes, da ein Top-Down Steuerungsansatz die Gefahr in sich birgt, an den Lebenswelten der BürgerInnen vorbei zu arbeiten und nicht auf deren Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. Daher besteht ein weiterer Ansatz darin, Wissen, Fähigkeiten und Interessen der EinwohnerInnen in das Projekt des Mehrwerthofes mit einzugliedern. Im Idealfall startet dieser Prozess bereits in der frühen Planungsphase im Rahmen einer umfangreichen Bürgerpartizipation oder eines Open Innovation Prozesses. Wenn dieses Potenzial ausgelassen wird, ist spätestens nach dem Ende der Bauphase ein Einbezug der BürgerInnen unumgänglich, um den Mehrwerthof auszugestalten und zu beleben. Strategien hierzu finden sich in den Bausteinen Veranstaltungen und Marketing. Eine weitere wichtige Humanressource ist die Integration der Potenziale der Zielgruppenbeschäftigten in das Geschehen am Mehrwerthof. Je nach individuellen Ressourcen und Fähigkeiten können diese den Annahmeprozess durchführen, neue Produkte produzieren und bei Veranstaltungen als Co-Referenten mitwirken.

Im Falle des Mehrwerthofes Markt Schwaben sind aktive GemeindemitarbeiterInnen mit viel Engagement an dem Projekt beteiligt und haben vielfältige Partnernetzwerke, wie die Hans-Sauer-Stiftung, das Anderwerk, die IA GmbH oder die Hochschule München (Rollenbeschreibung siehe Partnernetzwerke) mit ebenfalls engagierten Personen aufgebaut. Lediglich das Potenzial einer frühzeitigen Partizipation der BürgerInnen in die Projektprozesse wurde leider verpasst, dies liegt an einer Differenz des zeitlichen Prozesses von Gemeinderatsbeschluss, sowie Baustart und dem Einbezug einzelner Projektpartner, wie der Hans-Sauer-Stiftung und der Hochschule München, welche ggf. einen Partizipationsprozess initiieren könnten. Ziel des Leuchtturmprojektes ist es, möglichst viele BürgerInnen in die nachkommenden Projektprozesse (Ausbau, Veranstaltungen, etc.) mit einzubeziehen. Im Besonderen sollten motivierte Ehrenamtliche mit Organisations- und “Reparaturfähigkeiten” gefunden und in das Projekt integriert werden. Hierbei spielen die Zielgruppenbeschäftigten, die vom Anderwerk betreut werden, eine wichtige Rolle. Diese können am Mehrwerthof mitarbeiten und durch die Arbeit und Beteiligung Selbstwirksamkeitserfahrungen sammeln. Dabei wird individuell nach den Fähigkeiten der einzelnen Beschäftigten nach Aufgaben gesucht. Bis zu 12 Zielgruppenbeschäftigte werden von einer anleitenden Person begleitet. Der integrative Gedanke ist dem Mehrwerthof Markt Schwaben sehr wichtig und einer der Schwerpunkte des Projektes.

Soziologische Ressourcen

Während sich die ökonomischen Ressourcen vorrangig auf individuelle (Humanressourcen) und strukturelle Ressourcen (Boden, Geld) beziehen, geht die moderne Soziologie dazu über, Beziehungen in den Mittelpunkt sozialer Sachverhalte zu stellen. Es geht also darum, die Beziehungen, in welche Individuen und andere soziale Einheiten (Institutionen, Objekte, etc.) eingebunden sind, zu erkennen und im Sinne der Projektziele zu optimieren (vgl. Holzer 2009). Netzwerke stellen eine Zusammenfassung dieser Beziehungen dar. Ein besonderer Fokus liegt zur Erreichung der Projektziele auf der Akkumulation des von Pierre Bourdieu definierten “Sozialkapitals”.

“Das Sozialkapital ist die Gesamtheit der aktuellen und potenziellen Ressourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind; oder, anders ausgedrückt, es handelt sich dabei um Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen” (Bordieu 1992, S. 63).

Um die Projektziele bestmöglich zu erreichen, ist eine Sammlung an, heterogenen, am Projekt beteiligten Gruppen, sogenannten Partnernetzwerken, erforderlich. So können möglichst viele unterschiedliche, auf der Gruppenzugehörigkeit beruhende Ressourcen zum Gelingen des Projektes eingebracht werden. Neben dem Aufbau eines solchen Netzwerkes bedarf es aber auch Humanressourcen, welche eine qualitative Netzwerkpflege, im Sinne von Austausch und Beziehungsarbeit, sicherstellen.

Partnernetzwerke

Neben der Gemeinde als staatlicher Initiator, Entscheidungsträger, Auftraggeber und Koordinator, wird ein großes Netzwerk an PartnerInnen mit unterschiedlichen Qualifikationen aus Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft benötigt. Unabdingbare Qualifikationen für das Gelingen des Projektes sind:

Baupartner: Unternehmen, die in der Lage sind, die benötigten baulichen Strukturen mit den vorhandenen Geldquellen zu ermöglichen und im Idealfall einen möglichst innovativen, nachhaltigen Baustil verfolgen.

Sozialpartner: Organisationen, die sich durch Kompetenzen in der sozialen Arbeit und Integration von benachteiligten Menschen (z. B. Langzeitarbeitslosen) oder Kontakt mit Kindern- und Jugendlichen auszeichnen.

Planungspartner: Organisationen, die bei der Planung und Durchführung von Projekten mit Wissensschwerpunkten zu den Themen Prozessgestaltung, Kreislaufwirtschaft, kollaborativem Arbeiten und Partizipation unterstützen können.

Wissenspartner: Organisationen und Individuen, die durch ihr Wissen zum Thema Upcycling Projekte und Veranstaltungen initiieren können.

Entsorgungspartner: Unternehmen, welche die Entsorgung von nicht upcyclebaren Stoffen übernehmen. Technologiepartner: Unternehmen oder Individuen, welche für die Erstellung und Wartung der Website und App des Mehrwerthofes verantwortlich sind (kann ggf. von der Gemeinde selbst übernommen werden).

Im Falle des Mehrwerthofes Markt Schwaben sind unterschiedliche Stakeholderinteressen zu beachten, welche bei der Auftaktveranstaltung kommuniziert wurden. Leider konnten zum jetzigen Zeitpunkt nicht alle in die Bausteine einbezogen werden, die Weiterentwicklung der Bausteine bietet aber großes Potenzial um Einzelheiten zu integrieren.

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